„BATTLECAT MONDPFERD“
20. Januar – 10. März 2012
Ein wildes Netz an tragikomischen Geschichten webt Christian Hans Albert Hoosen über die Leinwand. Schräge Vögel, fabelhafte Wesen, Fratzen, Espressomaschinen, Hüte, Lampen, Treppen – eine Flut von Elementen verschlingt sich ineinander und löst sich erst bei konzentrierter Betrachtung in eine Vielzahl von Geschichten auf. Laute Farben, brutale Visionen und bittersüße Phantasien: Hoosens Malerei ist pure Energie. Sie erinnert an expressionistische Gedichte, sie ist ähnlich voll von großer Metaphorik, Bildlichkeit, Farbsymbolik und schockierenden Momenten.
Auf weißem oder farbigem Grund ordnet der 30-jährige seine Kompositionen an. Es beginnt meist mit einer ganz simplen Situation, die der Künstler im Alltag aufnimmt. Stück für Stück entfalten sich komplexe, eingefrorene Szenen. Dabei geht Hoosen prozesshaft vor: Durch Übermalen werden bestehende Geschichten ausgelöscht, neue entstehen oder umgekehrt: ehemals bestehende werden wieder zurückgeholt. Durch die geringe Tiefe und die Konzentration auf den Vordergrund entsteht eine drängende Direktheit. Trotz der zunächst dichten, auf den ersten Blick chaotischen Anordnung überrascht Hoosen stets mit einer bildhaften Balance, einer übergeordneten Struktur, die das große Ganze nicht aus dem Auge verliert.
Der Berliner verbildlicht in seinen aktuellen Arbeiten u. a. Reminiszenzen aus seiner Kindheit und verbindet diese mit aktuellen Themen und surrealen Phantasien. Mit einem ordentlichen Schuss Humor, Brutalität und Tragik sind seine Geschichten getränkt. So sind seine Wesen oft am Abgrund des Lebens, weinend, kämpfend, zerstörend. Selbst der gemalte Tod scheitert in der Serie „4237 Gründe, warum sie heute nicht gestorben sind“ (seit 2011) an seiner Aufgabe. Anstatt anderen Leuten die letzte Stunde zu schlagen, bestellt er sich lieber eine Tod- Gummipuppe aus dem Internet oder muss sich wegen einer Magen-Darm-Infektion auf seiner goldenen Toilette übergeben.
In der Arbeit „Let god sort´em out“ (2012) spielt Micky Maus – die sich einen lilafarbenen „Forza“-Schal umgebunden hat - auf einem Hocker sitzend mit der linken Hand auf einem goldenen Jagdhorn. Anstatt Musik kommt ein blutroter Schwall Farbe aus dem Instrument: Eine Rolltreppe für den Schergen, der sich links neben der Maus befindet. Mit der linken Hand rührt die Maus mit einem Löffel in einer Kaffeetasse, die ein Zigarillo rauchender Hase am rechten unteren Bildrand hervor streckt. Auf dem Rücken trägt sie in einem roten Sack den Tod mit sich, der durch ein Dosentelefon mit dem Schergen verbunden ist, dem gerade ein Hubschrauber kopfüber in den schwarzen Hut fliegt. Rechts vom Rucksack findet sich ein Vogel mit einem Herrenhut: ein Taschendieb. Er landet geradewegs auf einem Plateau, das sich der Hase aufgeschnallt hat. Dabei bleibt die Sinnfrage bewusst offen – denn, so der Künstler: „Man kennt schließlich den Hasen nicht.“
Entwirrt man die zahlreichen Geschichten, so bleibt einem oft das Lachen im Halse stecken. Es ist diese Gratwanderung zwischen Komik, Tod und Brutalität, durch die Hoosen eine einzigartige Spannung aufbaut. Seine Kunst ist irgendwo zwischen Dada, Comic, Surrealismus, Kubismus und Expressionismus – gepaart mit einem ordentlichen Schuss Individualismus - verortet.
Christian Hans Albert Hoosen wurde 1981 Norddeutschland geboren. Er zeichnet, malt und lebt in Berlin.
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